Ironman Tallinn
Philipp Teper über seine Teilnahme beim IRONMAN Tallinn: „Jede Langdistanz ist anders und Ironman Tallinn war da keine Ausnahme".
Der Start musste wegen dichtem Nebel am Raku-See mehrmals verschoben werden. Knapp 2.000 Athleten standen bei 12 Grad im Neopren am Ufer – von oben muss das wie eine riesige Pinguin-Kolonie ausgesehen haben.
Dann hieß es plötzlich: Wir starten! Alle sechs Sekunden hüpften fünf Pinguine in die Nebelsuppe und versuchten, bei 18 Grad Wassertemperatur, sich an den Scheinwerfern am anderen Seeufer zu orientieren. Interessanterweise verliert man im Wasser bei Nullsicht das Zeitgefühl. Die 3,8 km kamen mir erstaunlich kurz vor.
180 km Rad durch die estnische Waldlandschaft folgten. Die letzten 30 km wurden mit auffrischendem Wind und einsetzendem Regen richtig hart. Gerade noch rechtzeitig kam ich in die zweite Wechselzone.
Dann: Umziehen für den Marathon – und Petrus öffnete endgültig die Schleusen. Keine Hitze, sondern nasse Kälte und Regen von allen Seiten.
Nach 10 km war klar: Der Marathon unter vier Stunden wird heute verdammt knapp. Nach der Hälfte standen 1:55:00 auf der Uhr. Also hieß es: Augen zu und versuchen, die zweite Hälfte genauso schnell zu laufen.
Die nächsten 21 km wurden zur Sekundenarbeit. Voll am Limit, gegen Schmerzen, Betonbeine, Wind, Regen und Pfützen in der Größe kleiner Raku-Seen. Kilometer für Kilometer Richtung Ziel – ohne zu wissen, ob es sich ausgehen würde.
Und dann: Es ging sich aus. Haarscharf.
Ende gut, alles gut. Naja – gehen kann ich heute nicht. Das Dutzend ist voll. Damit ist Schicht im Schacht für die Langdistanz. Ich hör auf.